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Wieso feiern MuslimInnen das Opferfest?

Es ist wieder so weit. Muslime überall auf der Welt versammeln sich um gemeinsam das islamische Opferfest zu feiern – dieses Jahr natürlich etwas anders. Doch woran genau erinnert dieser Feiertag und was haben Schafe damit zu tun?

Eine besondere Rolle spielt hier die Geschichte des schon im Alten Testament erwähnten Propheten Abraham. Auch nach koranischer Überlieferung sollte dieser nämlich als Zeichen seines Gehorsams gegenüber Gott diesem einen seiner Söhne darbieten. Doch just in dem Moment, als er jenen opfern wollte, folgte die Verkündung, dass allein durch seine Absicht dem göttlichen Willen genüge getan war. Stattdessen wurde ihm aufgetragen, ein Schaf zu schlachten.

In Erinnerung an dieses Ereignis feiern Muslime jedes Jahr das sogenannte Opferfest (arab.: Eid Al-Adha) – eines der höchsten islamischen Feiertage, an dem sich die muslimischen Gemeinschaften zum gemeinsamen Festgebet in der Moschee einfinden und sich gegenseitig  grüßen, um danach mit Familie und Freunden über den Zeitraum mehrerer Tage die Feierlichkeiten zu begehen und rituell zu schächten. Muslime, die es sich finanziell leisten können, opfern an diesem Tag ein Schaf, eine Ziege, ein Rind oder auch ein Kamel. Das Fleisch wird aufgeteilt unter Armen und Bedürftigen, Freunden und Verwandten und der eigenen Familie.

Daneben findet in den Tagen um das Opferfest die jährliche Wallfahrt (arab.: Hadsch) nach Mekka statt . Als größte Versammlung auf der Erde lässt diese beeindruckende Bilder um die Welt gehen. Jedes Jahr finden sich so in Mekka und umgebenden Orten im Zeitraum vom 8.- 11./12. Dhul-Hidscha (=letzter Monat im islamischen Mondkalender) mehrere Millionen Pilger aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt zusammen. Unter Einhaltung bestimmter Regeln begehen die Pilger gemeinsam eine spirituelle Reise, deren Höhepunkt nach Aufenthalten in Mina, am Berge Arafat und einem Ort namens Musdalifa sicherlich der sogenannte „Tawaaf“ um die Kabaa, das heißt deren siebenmalige Umrundung, ist. 

Das „Haus Gottes“ – wie die Kabaa auch genannt wird – liegt als Heiligtum im Zentrum des Innenhofes der Heiligen Moschee in Mekka und bestimmt darüber hinaus die Richtung, in die sich Muslime weltweit beim Gebet wenden. Nach islamischer Überlieferung nämlich soll die Kabaa schon von Abraham und seinem Sohn Ismael gebaut worden sein. Also auch hier steht die Pilgerfahrt wie das islamische Opferfest in der Tradition und im Gedenken an die Geschichte Abrahams und verbindet Muslime auf der ganzen Welt, egal wo und wann sie gelebt haben.

Unter der Voraussetzung, dass die Mittel und die Gesundheit dafür bestehen, sollte jeder Muslim und jede Muslima die Pilgerfahrt als eine der sogenannten „Fünf Säulen des Islam“ einmal im Leben durchgeführt haben.

Übrigens, nicht nur zur Pilgerfahrt, sondern auch zu jedem anderen Zeitraum im Jahr besuchen zahlreiche Muslime die heiligen Stätten des Islam, was dann in Abgrenzung zur Hadsch auf Arabisch als „Umrah“ bezeichnet wird.

Doch auch, wenn die Pilgerfahrt wie in diesem Jahr zum Schutz der Gesundheit nur in symbolischer Form durchgeführt werden kann, ist die kommende Zeit wohl gerade deswegen besonders Familie und Freunden, aber auch der Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben gewidmet. Nicht umsonst werden die ersten Tage des Dhul-Hidscha bis zum Opferfest als die „besten Tage“ bezeichnet, an denen traditionellerweise gefastet wird.

Wir wünschen allen Muslimen eine gesegnete Zeit, ein schönes Fest und besonders den Studierenden unter euch natürlich auch viel Erfolg bei euren anstehenden Klausuren!

Ein Beitrag von Sarra Sassi